Sinnlichkeit in der Kunst

in Betrachtung und Erschaffung

02.02.2025

Sinnlichkeit bezeichnet die Fähigkeit, die Welt über die Sinne intensiv wahrzunehmen und unmittelbar zu erleben.

Sie umfasst nicht nur das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten, sondern auch das körperliche und emotionale Empfinden, das mit diesen Sinneseindrücken verbunden ist.

Sinnlichkeit beschreibt damit eine körperlich verankerte, unmittelbare Erfahrung, die oft vor rationalem Denken und bewusster Interpretation stattfindet.

Sinnlichkeit wird auch wissenschaftlich erforscht.

Allerdings nicht als ein einziges, klar abgegrenztes Konstrukt, sondern aus mehreren Blickwinkeln und Disziplinen heraus, weniger als ein einzelner messbarer Begriff.

Wenn von Sinnlichkeit in der Kunst die Rede ist, denkt man zunächst oft an erotische Darstellungen – Gemälde, Skulpturen oder Fotografien, die Körper und Verlangen zeigen. Diese Assoziation ist naheliegend, denn in vielen Epochen war das Darstellen sinnlicher Themen ein zentraler Ausdruck menschlicher Erfahrung.

Interessant ist dabei, wie sich die Werte und Bedeutungen von Sinnlichkeit im Lauf der Jahrhunderte verschoben haben: Was in einer Epoche als erotisch oder tabu galt, konnte in einer anderen als ästhetisch oder symbolisch verstanden werden.

Sinnlichkeit in der Kunst ist also nicht nur körperlich, sondern auch kulturell geprägt.

Sinnlichkeit geht weit über das Erotische hinaus.

Sinnlichkeit in der Kunst bezeichnet die Fähigkeit, ein Kunstwerk über die Sinne intensiv und unmittelbar zu erleben. Sie umfasst das Sehen von Formen, Farben, Licht und Bewegung, das Spüren von Texturen oder Strukturen und die emotionale Resonanz, die daraus entsteht.

Sinnlichkeit macht Kunst zu einem leiblich erfahrbaren Erlebnis, bei dem Wahrnehmung, Empfinden und Interpretation eng miteinander verbunden sind. Oft noch bevor bewusstes Nachdenken einsetzt.

Kurz gefasst: Sinnlichkeit in der Kunst ist das unmittelbare Wahrnehmen und Spüren eines Werkes über die Sinne, das Körper und Gefühl aktiviert und das ästhetische Erleben vertieft.

Für den Betrachter eröffnet Sinnlichkeit den direkten Zugang zum Werk.

Kunst wird nicht nur gesehen, sie wird gefühlt und erlebt. Spannungen, Harmonie, Bewegung oder Irritation werden körperlich und emotional wahrgenommen, oft bevor sie bewusst interpretiert werden.

Sinnlichkeit verbindet somit Wahrnehmung, Emotion und Interpretation und schafft ein Erlebnis, das weit über die rein visuelle Information hinausgeht.

Kurz gesagt: Sinnlichkeit in der Kunst ist die Brücke zwischen Schaffenden, Werk und Betrachter – sie macht Kunst zu einem unmittelbaren, leiblich erfahrbaren Erlebnis.

Doch was bedeutet Sinnlichkeit konkret für KünstlerInnen?

Sinnlichkeit bedeutet für Künstler die bewusste Auseinandersetzung mit Sinneswahrnehmungen und der emotionalen Wirkung von Kunst. Sie bezieht sich auf die Art und Weise, wie Kunstwerke vor allem auf das Sehen, Hören, Fühlen wirken und dabei oft tiefer liegende emotionale oder ästhetische Reaktionen hervorrufen.

In dem Moment, wo Wahrnehmung und Schaffen ineinandergreifen, entsteht sinnliches Erleben. Während sie ein Bild erarbeiten, nimmt Ihr Gehirn kontinuierlich visuelle Informationen auf: Farben, Formen, Proportionen, Kontraste, Licht und Schatten.

Diese werden nicht nur bewusst registriert, sondern auch unbewusst verarbeitet – das Gehirn erkennt Muster, Symmetrien, Abweichungen und mögliche Fehler, oft bevor sie aktiv benannt werden können.

  • Feedback-Schleifen zwischen Auge und Hand

Die Hand greift nach Pinsel oder Stift, und das Auge überprüft permanent, was entsteht. Dabei entstehen fortlaufende Feedback-Schleifen. Sie sehen, vergleichen, korrigieren, probieren Neues aus. Das Gehirn koordiniert Motorik, visuelle Wahrnehmung und Gedächtnis gleichzeitig.

Interessanterweise beginnen diese Prozesse bereits sehr früh im visuellen System, zum Teil sogar in Bereichen wie der Retina oder dem primären visuellen Kortex. Das bedeutet: Ihr Gehirn „sieht“ und bewertet teilweise, bevor bewusst reagiert wird.

  • Integration von Erfahrung und Vorstellung

Gleichzeitig greift das Gehirn auf Erfahrungen, Erinnerungen und Erwartungen zurück. Sie wissen instinktiv, wie bestimmte Farben wirken, welche Formen harmonieren oder Spannung erzeugen.

Dieses Zusammenspiel von Sinneseindrücken, Gedächtnis und Vorstellungskraft ist typisch für kreatives Schaffen.

  • Emotionale und körperliche Dimension

Wahrnehmung während des Malens ist nie nur visuell: Sie ist physisch und emotional. Freude, Frustration, Überraschung oder Konzentration beeinflussen Entscheidungen, Linienführung, Farbwahl und Komposition. Sinnlichkeit ist hier ein integraler Bestandteil des Gestaltungsprozesses.

  • Sehen als aktiver Prozess

Das Wichtigste: sie „sehen“ Ihr Bild nicht nur passiv; sie konstruieren es aktiv, während sie es erschaffen. Jede Entscheidung verändert die Wahrnehmung der nächsten Schritte.

Wahrnehmung und Schaffen sind also untrennbar miteinander verbunden, wie ein Gespräch zwischen Auge, Hand und Gehirn.

Doch was bedeutet Sinnlichkeit für mich als digitale Künstlerin?

Wie funktioniert Wahrnehmung im digitalen Transformationsprozess? Ist sie anders als bei MalerInnen oder BildhauerInnen? Was, wenn die Arbeit mit den Händen fehlt?

Zu Beginn meines künstlerischen Schaffens wurde mir die Seele in meinen Arbeiten manchmal abgesprochen. Digitale Transformationen wurden damals teilweise noch geringschätzig und nicht wirklich als ‚richtige Kunst‘ bewertet.

Ein Irrtum, der mir heute nicht mehr begegnet. Die Zeiten haben sich geändert. Gott sei Dank!

  • Ausgangspunkt: sinnliche Auswahl

Auch wenn das ‚Ausgangsmaterial Foto‘ später kaum wiederzuerkennen ist, beginnt der Prozess mit Wahrnehmung und Entscheidung. Ich wähle Fotos tatsächlich in der Regel rein intuitiv aus.

Manchmal sprechen mich bestimmte Farben an, manchmal sind es Strukturen oder Formen im Bild. Hier greifen visuelle Aufmerksamkeit und ästhetisches Empfinden gleichermaßen.

Die Sinnlichkeit ist also schon in der Auswahl aktiv.

  • Transformationen als visuelle Experimente

Jede digitale Transformation verändert meine Wahrnehmung des Materials. Ich beobachte ständig aufmerksam, wie das Bild reagiert. Welche Formen, Strukturen oder Farben entstehen neu?

Das Gehirn registriert mögliche Muster, Symmetrien, aber auch Zufälligkeiten. Manchmal ist dieser Prozess unbewusst aber meistens leitet er die nächsten Transformationsschritte ein.

  • Feedback-Schleifen zwischen Wahrnehmung und Steuerung

Bei hunderten Transformationen entsteht ein iterativer Prozess: Jede Veränderung erzeugt ein neues Ergebnis, das ich bewerte. Mein Gehirn bildet ständig Vergleiche zwischen vorheriger und aktueller Version, registriert Spannungen, Harmonie oder Irritationen, prüft zielführende Details.

Daraus entstehen nächste Transformationen – ein permanenter Dialog zwischen Wahrnehmung, Intuition und bewusster Veränderungsschritte.

  • Integration von Intuition, Erfahrung und Erwartung

Obwohl das ursprüngliche Bildmaterial am Ende nicht mehr erkennbar ist, beeinflussen Erfahrungen, Geschmack und innere Vorstellungskraft meine Entscheidungen. Das Gehirn sucht unbewusst und weiß doch, aus tausenden Fotos das richtige auszuwählen.

  • Emotionale und sinnliche Resonanz

Auch digital entsteht Sinnlichkeit. Farben, Formen, Bewegung und Komplexität lösen körperliche und emotionale Reaktionen aus. Wahrnehmen und Empfinden steuern den kreativen Prozess gleichermaßen.

Je nach Motiv liegt die Gewichtung auf der einen oder anderen Seite. Meine optischen Täuschungen erfordern hochkonzentriertes Arbeiten. Und doch ist auch dann Sinnlichkeit im Spiel, und sei es die Freude an dieser künstlerischen Arbeit.

  • Sehen als aktiver, konstruktiver Prozess

Mein Gehirn „konstruiert“ das Bild kontinuierlich neu. Ich weiß und sehe nicht nur, was meine Software produziert, sondern interpretiere, bewerte und gestalte aktiv.

Wahrnehmung, Entscheidung und digitale Transformation verschmelzen zu einem iterativen, schöpferischen Dialog.

  • Em Ende steht der haptische Eindruck, genau wie beim Betrachter

Sobld ich entscheide, welches Ergebnis ich als gedrucktes Bild in einer Ausstellung, bzw. an der Wand sehen möchte, gehts zur Druckerei. Dasselbe gilt für Kundenwünsche.

Sobald ich eines meiner Bilder auf Leinwand oder auf Künstlerpapier in Händen halte, erlebe ich die Sinnlichkeit meiner Kunst wie ein normaler Betrachter. Und was soll ich sagen? Es macht glücklich …